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„Da kann kein anderer
Beruf mithalten!“

Erzieher werden? Für viele Jungs kommt das nicht in Frage. Schade, denn Kinder brauchen starke Typen, die sie auf ihrem Weg begleiten. Wir haben Sebastian in der Kita Bärcheninsel besucht, der seinen Traumjob gefunden hat.

„Sebastian, hilfst du mir mit dem Nagellack?“, ruft es aus der kleinen Gruppe, die um den runden Spieltisch in der Kita Bärcheninsel in Stuttgart-Dürrlewang sitzt. Der 23-jährige Erzieher setzt sich dazu, schraubt der kleinen Maja das Fläschchen auf und lackiert ihr sorgfältig die kleinen Nägel, jeden in einer anderen Farbe. Maja ist zufrieden: „Sebastian ist mein Bezugserzieher“, erklärt sie stolz. Das heißt, dass der 23-Jährige für sie und einige andere Kinder der wichtigste Ansprechpartner in der Kita ist.

„Das will ich auch!“
Wichtig für andere Menschen zu sein, sie ein Stück weit auf ihrem Lebensweg zu begleiten, das ist es, was Sebastian am Beruf des Erziehers schon früh faszinierte. „Als Schüler habe ich in der Freizeitbetreuung beim schwäbischen Albverein gearbeitet und war begeistert davon, wie die älteren Pädagogen mit den Kindern umgegangen sind. Da habe ich gemerkt: „Sowas willst du auch machen!“ Nach dem Realschulabschluss stand deshalb für Sebastian fest, dass er eine Ausbildung zum Erzieher machen würde – auch wenn von den Jungs im Freundeskreis der ein oder andere blöde Spruch kam. Auch bei der Ausbildung waren von 180 angehenden Erziehern gerade mal zwölf Männer, während der Praxisphasen im Kindergarten war er meist der Exot. „Da hätte ich mir schon manchmal einen Mann zur Verstärkung gewünscht“, erinnert sich Sebastian. Vor allem wenn wieder mal ausgiebig über die Tischdekoration beim Sommerfest diskutiert wurde. „Ich denke, dass wir Männer solche Kleinigkeiten oft lockerer sehen und uns eher auf die Arbeit mit den Kindern konzentrieren“, sagt der 23-Jährige.

„Typisch Mann“ gibt’s hier nicht
Allein unter Frauen ist Sebastian in der Bärcheninsel zum Glück nicht: Hier arbeiten fünf Erzieher neben ihren 14 Kolleginnen, ein eingespieltes Team, in das jeder seine Stärken einbringt, die nicht „typisch Mann“ oder „typisch Frau“ sind. Kollege Thilo spielt zum Beispiel gern mit den Kindern Gitarre, weil er selbst Musik macht. Und Max hilft den Kindern in der Werkstatt, weil er in der ersten Ausbildung Schreiner gelernt hat. „So macht jeder das, was er am besten kann und was gerade nötig ist – und wenn es sein muss, lackiere ich halt auch mal Nägel“, sagt Sebastian und lacht.
Trotzdem würde er sich wünschen, dass sich mehr junge Männer für den Erzieherberuf entscheiden. Für viele käme der Job von vornherein nicht in Frage, weil sie ihn als Frauenberuf abgespeichert hätten. „Die wissen gar nicht, was sie verpassen. Ich lerne hier so viel Neues über mich. Jeder Tag ist anders, weil eben auch jedes Kind anders ist.“ Man brauche sehr viel Einfühlungsvermögen und müsse offen für Veränderungen sein, findet er – und das können wir Männer schließlich genauso gut, wenn wir uns darauf einlassen.

Man wird hundertfach entschädigt
Phasenweise sei es schon auch ein anstrengender Beruf, den er sich da ausgesucht hat, erzählt Sebastian: „Weil man sich die Arbeit doch mit nach Hause nimmt, erlebte Situationen nochmal durchgeht oder sich überlegt, wie man die Ideen der Kinder umsetzen kann.“ Dafür werde man aber auch mehr als entschädigt, findet er. Was er damit meint, wird klar, wenn eines der Kinder ihn im Vorbeilaufen kurz in den Arm nimmt, bevor es weitertobt. Oder wenn er davonerzählt, wie er krank war und seine Schützlinge die anderen Erzieher gefragt haben, ob sie ihm per Telefon gute Besserung wünschen dürfen. „Das sind die Momente, in denen ich ganz genau weiß, warum ich hier bin und in denen mir bewusst wird: Da kann kein anderer Beruf mithalten“, sagt Sebastian. Und das ist auch gut so, denn wer würde sonst der kleinen Maja beim Nägel lackieren helfen?

ESF-Modellprogramm „MEHR Männer in Kitas“


Erfahrungen sammeln, übertragen und nachhaltig Wirkung entfalten

„Männer sind aufgefordert, Erziehungswelten mit zu gestalten. Also die Welt ihrer Kinder.“ (Männlicher Erzieher, 29 Jahre)

„MEHR Männer in Kitas“ – Das sind 16 Modellprojekte mit 1.300 Kindertageseinrichtungen in 13 Bundesländern, die mit insgesamt gut 13 Millionen Euro gefördert werden. Bis Ende 2013 werden sie Wege finden, mehr männliche Fachkräftefür Kitas zu gewinnen. Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert und ist Teil der gleichstellungspolitischen Gesamtinitiative „Männer in Kitas“. Die Erfahrungen aus den Modellprojekten werden überregional an Kita-Träger weitergegeben.

Mehr Informationen unter:
www.bmfsfj.de
www.koordination-maennerinkitas.de und
www.esf-regiestelle.eu

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